Dienstag, 19. Mai 2020
Kronen Wolf
„Gunter, ich sag‘s dir. Der Wolf schränkt meine Freiheit ein. Ich fühle mich schon fast wie in einer Diktatur, so innerlich.“, sprach das Schaf, dessen Fell schon ganz zersaust war, denn es war schon lange nicht mehr beim Friseur gewesen.
„Man sollte es nicht mit einer Diktatur vergleichen. Die äußeren Umstände zwingen uns nun mal zu gewissen Maßnahmen, die sinnvoll sind, solange der Corona Wolf da draußen sein Unwesen treibt.“, erklärte Gunter Guthmensch mit sanfter Stimme.
„Hör auf, ihn Corona Wolf zu nennen. Er ist ein ganz normaler Wolf, so wie der letztes Jahr, der sich hauptsächlich von Häschen ernährt hatte.“, schimpfte das Schaf.
„Man nennt ihn so, weil er sich eine Krone aus Schafsknochen gebastelt hat und damit wie ein König umher stolziert. Corona heißt Krone. Er ist wahnsinnig geworden, völlig durchgedreht. Angeblich hatte er eine angegammelte Fledermaus verspeist und seitdem ist er so bekloppt. Er muss in Therapie, das ist ganz klar.“
„Warum nennt man ihn dann nicht Kronen Wolf? Warum muss man immer alles so kompliziert machen, für uns einfachen Schafe? Außerdem habe ich den Corona Wolf noch nie gesehen und auch noch kein Schaf getroffen, dass ihn gesehen hat. Ich glaube man erzählt uns das nur, damit wir diese bescheuerten Masken tragen müssen.“
„Hättest du den Wolf gesehen, ständest du jetzt nicht putzmunter hier und könntest lamentieren, wie schlecht es dir doch ergehe. Und die Masken sind keineswegs bescheuert. Das ist die einzige Möglichkeit eine Wolfsbegegnung zu überleben. Der Corona Wolf ist nicht nur wahnsinnig, sondern auch ganz schön bescheuert, sodass die Chance besteht, dass man ihn mit einer einfachen Maske täuschen kann.“, sagte Gunter Guthmensch und das Schaf schüttelt energisch mit dem Kopf.
„Es ist ja nicht mal bewiesen, dass die Maske wirkt. Am Ende habe ich wochenlang unter der Sklaverei einer Maske gelitten und dann frisst der Wolf mich trotzdem.“
„Aber immerhin kannst du dir dann sicher sein, dass er existiert. Gewissheit kann sehr befriedigend sein.“, sagte Gunter Guthmensch und lachte.
„Und schon wieder schränkst du meine Meinungsfreiheit ein. Man darf einfach nichts mehr sagen, ohne dass man sofort freche Widerworte bekommt.“, schimpfte das Schaf heftig.
„Meinungsfreiheit heißt ja nicht, dass man unwidersprochenen Blödsinn erzählen kann. Wer das möchte, sollte sich vielleicht doch lieber mit Selbstgesprächen beschäftigen. Dein Problem, Schaf, ist doch, dass du diese Diskussion als einen Kampf siehst, wo es nur einen Gewinner geben kann. Dabei könntest du ebenso als Gewinner aus dieser Diskussion gehen, wenn du darüber nachdenkst, ob dein Gegenüber vielleicht in einigen Dingen doch Recht hat und du deine Meinung anpasst. Dann bist du nämlich schlauer als vorher.“
„Aber ich möchte meine Meinung nicht ändern, ich möchte Recht haben und nicht du.“
„Du möchtest also ein ignoranter Idiot bleiben. Sag das doch gleich. Das spart eine Menge Diskussionszeit.“

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Samstag, 30. April 2016
Der Blick
Letztens habe ich in der U-Bahn eine erschreckende Beobachtung gemacht. Ein Mann in den 40ern, leicht ungepflegt, übergewichtig und in alten Klamotten gekleidet, sprach eine fremde Frau an und sagte zu ihr: „Ich beobachte dich ganz genau, du Miststück. Wehe du klaust was aus meiner Tasche!“
Die Frau kam wahrscheinlich gerade aus dem Büro, denn sie trug einen schicken Businessanzug und war dezent geschminkt.
Jetzt fragt man sich wahrscheinlich, warum der Mann so etwas gesagt hatte. Das ergibt ja gar keinen Sinn! Ich muss mir das ausgedacht haben…aber nein.

Die Frau hatte eine schwarze Hautfarbe.

Das ergibt natürlich immer noch keinen Sinn, aber man kann sich nun wohl eher vorstellen, warum der Mann das gesagt hatte. Ich möchte mich gar nicht erst über solche Leute auslassen, denn dann ist man kein Stück besser. Mich erschrak nur diese völlige Aberkennung der Realität, der tiefe Glaube etwas „Besseres“ zu sein, nur weil man die „richtige“ Hautfarbe trägt.
Erschrocken war ich auch über die Antwort der Frau. Sie warf ihm nur einen Blick zu, völlig ohne Worte und Gestik. Aber dieser Blick hatte es in sich! Voller Hass und Abscheu. Ein Blick dem man nicht gewachsen sein konnte, der wirksamer war als ein Schlag in die Fresse. Der haute mich aus den Socken. Diesen Blick, den hatte sie nicht zum ersten Mal geworfen, denn darin konnte man die Verzweiflung und die Verbitterung des alltäglichen Rassismus sehen. Sie hatte ihn trainiert, unfreiwillig.
Das arme Würstchen versank tief in den Sitz und fühlte sich ganz elendig. Rassismus hinterlässt Opfer auf beiden Seiten, es ist der Hass, der sich tief ins Herz hinein frisst und dort böse Narben hinterlässt. Der Mann, der sich wie in einem Alkoholrausch kurz besser fühlt und dann hinterher nur noch mehr Hass und Wut in sich trägt, wie einen üblen Kater, der ihn immer weiter zerstört. Und die Frau, die einfach nur ein normales Leben in diesem Land führen möchte und an diesen Menschen verzweifelt.

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Freitag, 4. März 2016
Gelockerte Spuckpolitik
Die Sonne ging gerade auf, als ich mein Lama in den Berufsverkehr einfädelte. Schon wieder Stau, dachte sich auch mein Lama und wurde ungehalten. Wir drängelten uns an den Fahrzeugen vorbei, denn wir mussten dringend zum Bäcker, da kurbelte ein kurzhaariger Mann oder Frau die Seitenscheibe des Fahrzeugs herunter. Doch bevor die Person auch nur ein Wort sagen konnte, ließ das Lama einen enorm großen, stinkenden Spucketropfen aus seinem Maul frei und platzierte ihn mitten in des Autofahrers Gesicht hinein. Volltreffer! Lamas spürten aufkeimendes Beschwerdeverhalten, bevor es überhaupt passierte. Der Autofahrer beschwerte sich trotzdem über mein Reitverhalten, was ihn erneut zum Zielobjekt machte. Das Lama kannte da keinerlei Erbarmen und außerdem mussten wir schnell zum Bäcker hin und konnten uns nicht ewig mit Diskussionen beschäftigen. Der Autofahrer sah das dann auch ein.
Beim Bäcker ritt ich direkt hinein und bestellte sofort ein Brotling, das war eine Mischung aus Brot und Brötchen, die Zwischenstufe quasi.
„Sie können hier nicht mit ihrem Lama hinein.“, sagte die Bäckersfrau.
„Ich bin ja gleich wieder hinaus, sobald Sie mir den Brotling überreicht haben und ich Sie dafür entlohnt habe.“
„Parken Sie ihr Lama draußen vor der Tür!“, schrie die Bäckersfrau und das Lama sammelte hörbar Spucke in seinem Rachen.
„Reizen Sie Rolf- Dieter, mein Lama, nicht! Es fährt eine äußerst gelockerte Spuckpolitik.“
„Hier haben Sie ihren Brotling! Und bitte beehren Sie uns nie wieder! Solche Kunden brauchen wir hier nicht.“
„Das ist doch Diskriminierung! Nur weil ich auf einem Lama unterwegs bin, welches zugegeben äußerst spuckfreudig ist, behandeln sie mich zu meinem Nachteil. Wo soll ich denn in Zukunft meine Brotlinge erwerben?“
„Also erstens gibt es keine Brotlinge! Das was Sie von mir bekommen haben sind nur etwas größere Brötchen. Und die habe extra ich nur für Sie gebacken, damit Sie mir nicht mehr andauernd auf die Nerven gehen, dass ich keine Brotlinge anbiete. Und zweitens habe ich die Schnauze voll von ihrem Lama. Es stinkt und drängelt sich immer vor. Die anderen Kunden fühlen sich belästigt und wenn sie Beschwerde einlegen, werden sie angespuckt.“
„ Natürlich gibt es Brotlinge, schließlich verkaufen Sie mir welche und dann bevorzugen Sie lieber ihre anderen Kunden, anstatt mich zu bedienen. Das ist sehr gut! Fellbinger mein Name, ich bin Bäckereitester und das ist gar kein echtes Lama, das sind meine zwei Gehilfen, die sich nur als Lama verkleidet hatten. Sie haben 10 von 10 Punkten im Bereich Service und Zufriedenheit der Kunden. Auch 10 von 10 Punkte im Bereich Toleranz. Ha ha ha Brotlinge! Das Sie mir die tatsächlich hergestellt haben. Großartig!“

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Sonntag, 31. Januar 2016
Der SChreibfehler
Als ich 9 Jahre alt war, wünschte ich mir zum Weihnachtsfest ein Haustier. Meinen Wunsch schrieb ich auf einen Wunschzettel und gab ihn meinen Eltern in Obhut, die einen direkten Draht zum Weihnachtsmann besaßen.
Am Abend des 24. war ich schon völlig aus dem Häuschen. Ich stellte mir vor, welches Haustier ich wohl bekommen möge und fragte mich angstvoll, ob es die Fahrt auf dem Schlitten des Weihnachtsmannes gut überstehe. Als der dickliche Mann im roten Kostüm endlich da war, konnte er mir mein Haustier gar nicht überreichen, weil es zu groß und schwer war und lehnte es vorsichtig an die Wand. Es war 2 Meter hoch und in rotes Geschenkpapier eingepackt. Ich hatte so ein Tier in dieser Form noch nicht gesehen, von der Seite betrachtet war es sehr flach, höchstens 10 Zentimeter. Vielleicht ein Flachdackel, ich hatte ja keine Ahnung.
Doch es war nur eine Haustür, die sich da unter dem Papier herausschälte. Ich hatte geschludert beim Aufschrieb meines Wunsches. Das kleine i und das e zu sehr miteinander verkräuselt. Ich wurde das Opfer meiner eigenen Sauklaue. Jedoch lies ich mir nichts anmerken und freute mich tierisch, war viel zu stolz, um meinen Fehler einzugestehen. Eifrig schleppte ich die Tür in mein Zimmer. Sie wog 20 Kilo und ich benötigte 10 Stunden dafür.
Am nächsten Tag ging ich mir ihr Gassi. Ob die Türe mal musste oder nicht, das wusste ich damals noch nicht und wollte lieber kein Risiko eingehen. Ich zerrte sie an einer Leine hinter mir her und zum Glück lag Schnee, so dass es leichter vonstatten ging als in der Wohnung. An einem Abhang setze ich mich auf meine Haustür und wir rodelten ins Tal hinab. Man glaubt gar nicht wie viel Spaß man damit haben kann.
Die anderen Kinder in meiner Altersgruppe machten sich zwar lustig, aber auch nur so lange bis ich meine schwere Tür auf sie fallen lies. Danach war Ruhe, denn die Kritiker verstummten schlagartig. Alles in allem war es doch ein tolles Geschenk und ich freute mich über meinen Schreibfehler.

Auch heute besitze ich meine Haustür noch. Sie schützt mich vor Einbrechern und nervigen Besuchern.

Ach, ich liebe diese Tür!

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Dienstag, 19. Januar 2016
Roboter nehmen uns endlich die Arbeit weg
Ein Glück, dass ich mit Wirtschaft nix am Hut habe. Nicht mal darüber schreiben könnte ich, so absurd ist es doch alles. Ich wünschte man könnte die Wirtschaft vom Menschsein entkoppeln. Sie kann doch ihr eigenes Ding machen. Sollen Sie ihre Banken, Hedgefondues und Altersvorsorgen auf dem Mond ausleben, dort ein Finanzzentrum aufbauen und uns in Ruhe lassen.

Der Mensch wird nicht mehr gebraucht. Zum Glück sag ich. In Zukunft arbeiten dann nur noch die Roboter für die Unternehmer und stellen zum Beispiel Autos her. Irgendwie muss der Roboter ja zur Arbeit kommen. Der Mensch kann sich kein Auto leisten, denn der arbeitet ja nicht, also muss der Roboter auch noch das Konsumverhalten des Menschen ersetzen. Daran hat bis jetzt noch keiner gedacht, aber es wird notwendig sein. Man muss ihm das Verlangen nach goldenen Uhren, dem neusten Smartphone und dem sichersten Auto einprogrammieren, damit der Unternehmer weiterhin Gewinne einfahren kann. Aber das ist kein Problem. Es wird Werberoboter geben, welche die Konsumentenroboter ständig updaten.

Wir haben dann nix mehr damit zu tun. Sind völlig losgelöst und können uns endlich wieder um unsere eigenen Bedürfnisse wie Nahrungsaufnahme usw. kümmern. Das wird großartig. Endlich können wir das mal in Angriff nehmen!

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Dienstag, 12. Januar 2016
Apfelexpertise
Äpfel sind großartig. Ich verspeiste mal einen.
Seitdem bin ich Experte auf diesem Gebiet.

Die Usability des Apfels sucht seinesgleichen, jedoch stört mich die oben angebrachte Antenne. Sicher ist das Design timeless und Traditionsapproved, aber hätte man nicht dennoch die Antenne ins Gehäuse integrieren können, wie es bei modernen Devices üblich ist?
Ein weiteres Problem beim Apfel sind die dunklen Druckstellen, die entstehen, wenn man die Touchoberfläche zu ruppig bedient.
Zum Abschluss möchte ich noch festhalten: Der Apfel besticht durch seine coole Awesomenität in puncto Fruitness und Farbdiversity. Auch sein Odor de vivre, den er aktiv aussendet, lockt den Costumer schneller in die Shoppinglokalität als man daran schnuppern kann.

Great product nature inc.!

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Montag, 28. Dezember 2015
Warme Weihnachten
Afghanen spielen beim Krippenspiel am Heiligabend mit, ja auch das ist Sachsen. Und dann sind natürlich die Flüchtlinge wieder da, die in den Westen geflohen sind. Meine Generation. Wir überfallen das Land wie die Heuschrecken, essen Gänsebraten und am 28. sind wir alle wieder fort. Vollgefressen!

Auf der langen Hinfahrt habe ich mich mit einer Brasilianerin unterhalten. Auch die feiern Weihnachten, haben aber nur einen „fake tree“, keinen echten Weihnachtsbaum. Aber ansonsten ist alles doch so ziemlich gleich, da auf der anderen Seite der Erde. Das ist so ein versöhnlicher Gedanke, der da in mir aufkeimt, wirkt die Welt doch manchmal so kompliziert. Na gut, Sie mag das Essen hier nicht, aber auch das kann ich verstehen. Immer so viel Fleisch, wofür man Unmengen Soja aus Brasilien benötigt und dort alles kaputt macht.
Vollgefressen!

Und auf der Rückfahrt habe ich mit einem Thüringer unterhalten, der mal für längere Zeit auf Kuba war. Obwohl die Kubaner so wenig haben, sind sie doch viel reicher als wir. Denn sie sind glücklicher. Was für eine platte Weisheit, aber wir werden das trotzdem nie kapieren. Und die verspüren dort nicht mal das gierige Verlangen nach iPhones! Die können sich keine elektronischen Geräte besorgen, wofür arme Menschen ausgebeutet wurden, um sich für einen kurzen Moment ein bisschen Glück zu erkaufen.
Vollelektronisch!

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