Deutschland einig Regelland
Wenn man jemanden aus dem Ausland fragen würde, was er denn für typisch Deutsch halte, dann würden sicherlich viele sagen, dass wir tolle Autos bauen, dass wir ordentlich sind und an viele Regeln glauben.
Es gibt auch viele die sagen, wir verhalten uns wie Roboter. Stehen nachts um 4 als Fußgänger an einer leergefegten Straße und warten darauf, dass es grün wird. In der ganzen Welt würde keiner auf die Idee kommen so etwas zu tun. Aber wir Deutsche machen so etwas…
Schon früh lernt man in unserem Land, dass, wenn man sich an die Regeln hält, einem auch nichts passieren kann. Man ist auf der sicheren Seite. Wenn ein Schaffner ein dreizehnjähriges Kind mutterseelenallein und 40 Kilometer vor ihrem eigentlich Zielort entfernt aus dem Zug schmeißt, hat er ja auch nur den Regeln Folge geleistet. Er war auf der vermeintlich sicheren Seite.
So eine Regel hat einen riesigen Vorteil: Sie nimmt einem das Denken ab. Entscheidungen müssen ja keine gefällt werden, denn die Regel hat ja schon längst entschieden. Und zwar schon im Voraus. Ist das nicht praktisch? So konnte der Schaffner ohne Gewissenbisse das kleine Mädchen vor die Türe setzen und obendrein seine Pflicht gegenüber der Regel erfüllen.
Desweiteren beschützt die Regel den Menschen vor Fehlern. Es kann nichts passieren, es ist doch alles geregelt. Wenn man über mangelnde Zivilcourage redet, dann sollte man sich auch über unsere geregelte Welt Gedanken machen. Die anderen Menschen können mir ja eigentlich egal sein, denn deren Leben ist ja genauso wie meins, und zwar geregelt.
Nur hat die Regel leider kein Gewissen und strotzt nur sehr selten vor Menschlichkeit. Das Gesetz ist die strengste Regel in unserer Gesellschaft. Dass man Kinder nicht verhungern lassen darf, ist gewissermaßen ein Gesetz. Wenn ich aber ein Gesetz aufstelle, dass das Töten von Menschen verbietet, dann gehe ich doch auch gleichzeitig davon aus, dass dieses tolle Gesetz mit großer Wahrscheinlichkeit von manchen Menschen nicht eingehalten wird. Sonst bräuchte ich diese Regel ja auch gar nicht erst aufstellen. Regeln sind also ursprünglich dazu da, gebrochen zu werden und sollen gleichzeitig den Bruch verhindern. Ein Paradoxon der Meisterklasse!

Wie kann ich mich dann eigentlich noch auf die Regel verlassen, wenn diese definitiv nicht eingehalten wird? Wie kann man ein Kleinkind in die Obhut eines Gesetzes geben? Vielleicht sollte man einfach ein paar Regeln abschaffen und den Leuten mehr Verantwortung zumuten. Eine Nachbarin kann bestimmt besser auf ein Kind aufpassen als das Jugendamt, das per Gesetz dazu verpflichtet ist.

Und wenn Frau Merkel am 9. November an die Pogromnacht gedenkt und von mehr Zivilcourage schwafelt… Vielleicht sollte sie einfach mal anfangen ein paar Regeln abzuschaffen. Denn Regeln haben den Holocaust erst möglich gemacht und Regeln rechtfertigen auch irgendwie das Wegschauen. Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt:
„Jeder Narr kann Regeln aufstellen und jeder Narr wird sie befolgen.“

Manchmal frage ich mich, wie eine Welt ohne Regeln wäre…


Natürlich wird man am Anfang Fehler machen. Aber aus Fehlern kann man lernen.
Stellt euch mal einen Verkehr ohne Regeln vor. Man müsste viel mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Man kann die Verantwortung nicht einfach so an der Ampel abgeben und es würde keine Raser mehr geben, weil das einfach nicht funktionieren würde. Vielleicht gibt es ein paar kleine Autoschrammen, aber sicherlich keine großen Unfälle.
In Kairo kann man so einen Verkehr live erleben. Es gibt dort keine Verkehrsregeln. Dort nimmt einem nicht die Ampel die Verantwortung ab. Keine Schilder zwingen einem zu irgendetwas… und wisst ihr was? Es funktioniert!!

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Ja, in Belgien auch! Obwohl, eine Regel gibt es: Die anderen Verkehrsteilnehmer NIEMALS direkt anschauen...

Kommen Sie denn aus Belgien, Herr Prieditis?

nein, aber ich hatte comicmässig des öfteren das Vergnügen dort zu sein...

Ampeln gibt es dort auch wahrscheinlich nur wg. irgendeiner EU-Verordnung, die sich ein Franzose ausgedacht hat, um die Belgier a) zu drangsalieren und b) etwas zu bieten, worüber man sich lässig hinwegsetzen kann... =)

Ich wusste gar nicht das man in Belgien so zügellos Auto fährt. Ich war aber bis jetzt nur ein paar Stunden in Belgien, habe in Brüssel vor dem Rathaus eine Schnecke gegessen und bin dann relativ schnell weiter nach Paris gefahren.

@Prieditis: Veranstalten Sie etwa Ausstellungen ihrer Kunst in Belgien? Oder wie darf ich das verstehen...

oh... da gibts einen ganz speziellen kreisverkehr in st.gilles (bruxelles). da blinken die ampeln nur und mahnen zur vorsicht, wenn man da bremst, hält man nur den kreuzenden verkehr auf. zudem springt dort ab und an die tram aus den schienen, weil der radius zu eng ist...

nein, ich habe dort noch nicht ausgestellt. vor einigen jahren colorierte ich dort comics...

Was denn für Comics wenn man fragen darf?

ach, das war irgend so eine fantasy kac... geschichte. ;o)

... eines völlig unbedeutenden verlages, der auch in der pleite endete, bevor das finanzielle erledigt war...
so, wie üblich eben...

Ja das Leben als Künstler stelle ich mir sehr hart vor...Deswegen will ich ja auch Ingenieur werden...und achso ja... zeichnen kann ich natürlich auch nicht. Das ist auch noch ein Hinderungsgrund.