Der demoralische Wandel Teil 2: Selbsthospiz
Wenn ich an meine Zukunft denke, dann bekomme ich schon ein bisschen Angst. Ich habe keine Angst vor den nächsten Jahren, sondern eher vor meinen allerletzten Jahren. Es gibt da nämlich ein Problem.
Wir werden immer älter. Das sagen nicht nur die Schnapsdrosseln vor dem Supermarkt, das sagen auch die Politiker und die Medien. Und das immer wieder. Mantraartig wird das wiederholt, bis es jeder gefressen hat.

Und es stimmt ja auch. Ich merke das an mir selbst. Ich werde immer älter. Letztes Jahr um diese Zeit war ich noch 22 und bald werde ich 24. Das ist doch der helle Wahnsinn, die haben wirklich Recht. Und ja auch Sie, lieber geduldiger Leser, werden immer älter.

Nur werden wir nicht nur älter, sondern es werden auch immer mehr alte Leute. Das ist dann die zweite These, die dann so schön unsinnig zu ersten passt und die auch immer wieder gern erzählt wird. Ich weiß ja nicht wie Sie sich das vorstellen, aber ich habe noch nie einen Rentner einfach irgendwo auftauchen sehen. Da hört man nicht mitten in der Fußgängerzone ein lautes „Plopp“ und dann haben sich 20 neue alte Menschen materialisiert. Das funktioniert vielleicht in der Vorstellung der Politiker, weil man die so selten herauslässt und Sie zusätzlich so viel Ahnung von Prozentrechnung haben, wie eine Nonne von der Missionarsstellung.

Denn nur im Verhältnis gesehen, werden es immer mehr Rentner und immer weniger „Leistungsträger“, die für die Kosten aufkommen können und nicht quantitativ. Im Gegenteil, längerfristig wird es sogar immer weniger ältere Menschen geben.

Trotzdem sollte jeder, der mal Rentner werden will, dieses jetzt tun, denn in ein paar Jahren wird das dann nicht mehr möglich sein. Wenn ich dann mal so 95 Jahre alt bin, liege ich fröhlich in meinem Krankenbett, die Beatmungsmaschine schnurrt und ich schweiße nebenbei Autokarosserien für den Heuschreckenkonzern VW zusammen. Wenn man dann nicht mehr arbeiten kann, wird die Maschine abgeschaltet und man hat seine Ruhe. Für immer. Selbsthospiz wird man das dann nennen. Klingt doch gut oder? Nur Auswandern ist schöner.
Im heutigen Gesundheitssystem ist die Geriatrie zum neuen Modebegriff verkommen. Ganze Abteilungen widmen sich ausschließlich den alten Menschen und viele Krankenhäuser haben sich mittlerweile auf die Fahnen geschrieben: „Sie wollen sterben? Aber nicht mit uns!“. Damit kann man eine Menge Geld verdienen, denn man hat ja die Moral immer auf seiner Seite. Die Frage nach der Notwendigkeit ist verboten und sterben lassen gilt als Mord. Und so fließt eine Menge Geld in die Taschen der vermeintlichen Helfer und das Rentensystem wird unbezahlbar.

Deswegen spreche ich nicht mehr von einem demografischen Wandel, sondern von einem demoralischen Wandel.

Die Rückbesinnung auf traditionelle Werte würde dem Land gut tun. Die Politiker sollten aufhören diese Rückbesinnung mit der Peitsche zu forcieren, sondern eher versuchen, den Menschen Sicherheit zu geben. Anstatt uns vor Terroristen zu schützen, sollte man uns eher vor gierigen Managern und geizigen Arbeitgebern schützen. Die Zukunft sollte keine Bedrohung, sondern eine sichere und planbare Sache werden. Ein Vogel baut sich auch kein Nest und legt Eier, wenn er sich ständig von Feinden umzingelt fühlt.

Und wenn es soweit ist, ja dann überwinden wir auch den demografischen Wandel.

Senf abgeben!



Stille? Wenn hier irgendeiner was auszusetzen hat, dann ist das sicherlich berechtigt. Also los. Nicht so schüchtern!

Ich will hier Kritik fließen sehen!!

So knackfrisch an der Jugend sollte man die älteren Semester nicht derart streßen...