Der Telefonkonzern
Der Techniker kommt nicht mehr, aber bis man sich das selbst überhaupt eingestehen kann, vergeht schon einige Zeit. Bei mir sind es ganze 3 Tage, die ich in Selbstmitleid verbringe, ob meiner gekappten Internetverbindung. Dann rufe ich den Kundenservice des Telefonanbieters an, der sich um die Aktivierung meines Anschlusses kümmert:
„Hallo! Na endlich, ich warte schon seit Stunden in der Warteschleife.“
„Was ist denn das Problem?“
„Der Techniker war nicht da! Er war mir versprochen, aber er kam nicht.“
„Haben Sie sich nicht vorher informieren können? Man weiß doch, dass der Techniker niemals beim ersten Termin erscheinen wird. Vielleicht und nur wenn man ganz viel Glück hat beim Fünften, aber doch nie und nimmer beim Ersten. Selbst wenn Sie der Internetpapst persönlich wären, geschieht das nicht. Wie kamen Sie denn überhaupt auf die Idee, ihren perfekt funktionierenden Internetanbieter zu wechseln? So unwissend kann man doch wirklich nicht sein.“
„So dann hätte ich gerne einen fünften Termin!“
„Na Sie sind wohl einer von der cleveren Sorte? Sie bekommen jetzt einen zweiten Termin. Seien Sie bitte am 8 Mai rund um die Uhr verfügbar.“
„Da werde ich sicher nicht da sein, der Techniker kommt ja sowieso nicht.“
„Zugegeben, die Chance, dass er bei Ihnen klingelt, mag gering sein, aber eben nur gering und nicht vollständig unmöglich. Es soll schon Leute gegeben haben, die beim zweiten Termin den Techniker antrafen. Zum Beispiel, wenn im selben Treppenhaus ein fünfter Termin dran ist und der Techniker früh fertig geworden ist. Wenn er dann noch etwas Zeit hat und sich in der richtigen Stimmung befindet, dann könnte er womöglich bei Ihnen anschellen. Jetzt wäre es aber fatal, er käme zu Ihnen und träfe Sie nicht an. Dann landen Sie sofort auf der roten Liste und werden wahrscheinlich nie wieder einen Techniker zu Gesicht bekommen. Zumindest nicht in diesem Leben!“
„Ich bin doch Kunde und der Kunde ist König!“
„Aber natürlich, jeder Kunde ist König, aber doch nicht alle gleichzeitig. Warten Sie, bis Sie an der Reihe sind!“
„Das ist doch eine Frechheit. Ich möchte ihren Vorgesetzten sprechen.“
„Aber sicher doch, ich bewundere ihren Eifer. Doch er resultiert ja doch nur aus der Tatsache, dass sie einfach noch nicht so oft mit dem Telefonkonzern in Kontakt getreten und daher noch sehr unerfahren sind. Ich möchte es Ihnen so schonend wie möglich beibringen. Natürlich kann ich Sie mit meinem Vorgesetzten verbinden, doch das wird nicht viel helfen. Denn auch wenn er mein Vorgesetzter ist, ist er dennoch einer der niedrigsten Angestellten im Konzern. Aber selbst das wäre noch übertrieben formuliert, denn er ist gar nicht so richtig im Konzern angestellt, sondern nur in einem Subkonzern. Wir befinden uns nicht mal im selben Gebäude, ja nicht mal in der selben Stadt. In Wirklichkeit treten wir nur sehr wenig mit dem Konzern in Kontakt. Wir können lediglich die Technikertermine vergeben und wütende Anrufer mit fahlen Ausreden beruhigen.“
„Dann macht der Konzern aber einen großen Fehler! Wir als Verbraucher haben Macht! Wir werden uns gemeinsam wehren!“
„Das mag im ersten Augenschein so wirken, als ob der Konzern da einen großen Fehler macht, aber dem ist nicht so. Der Konzern macht nie Fehler. Der einzige Fehler, den er sich vielleicht zuschreiben könnte, ist zu gütig zu sein. Denn er benötigt nur ihr Geld, alles andere, das Anbieten und Unterhalten der Internetverbindung, die Werbung, der Kundenservice unternimmt er doch nur aus reiner Gutmütigkeit Ihnen, dem Verbraucher, zuliebe. Das könnte er auch genauso gut sein lassen, denn Sie sind ihm aufgrund seiner Monopolstellung sowieso hoffnungslos ausgeliefert. Doch zum Abschluss des Gesprächs, hätte ich noch eine persönliche Frage. Wie zufrieden sind Sie mit dem Kundenservice des Telefonkonzerns? Doch bevor Sie antworten, denken Sie lieber noch eine kurze Zeitspanne nach, denn das landet alles in ihrer Kundenakte und obwohl wir eigentlich dazu angehalten sind unsere Kunden in dieser Frage unbeeinflusst zu lassen, will ich Ihnen dennoch eine Hilfestellung geben. Bleiben Sie kooperativ! Versuchen Sie nicht das Unternehmen zu erzürnen, schon gar nicht mit Kritik. Schon dass Sie hier angerufen haben, hat man Oben nicht ohne ein Zähneknirschen registriert. Sie wollen doch Ihren Standpunkt nicht noch weiter verschlechtern.“
„Ich bin äußerst unzufrieden mit dem Kundenservice!“
„Oh je! Das ist quasi Selbstmord, was Sie gerade getan haben. Vergessen Sie ihren Internetanschluss. Warum sind Sie auch so stur? Es wird in den nächsten Minuten ein Techniker zu Ihnen kommen und ihre Telefonkabel restlos entfernen. Seien Sie bitte verfügbar. Danke! Auf Wiederhören!“

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